Gedanken und Tipps zur Sondertilgung

Wenn es nach den Wünschen der Kreditnehmer geht, dann steht das Verlangen nach Sondertilgungsmöglichkeiten ganz oben auf dem Wunschzettel der Kreditnehmer. Auch die Banken haben sich schon seit längerer Zeit darauf eingestellt und bieten oft Sondertilgungsmöglichkeiten von 5% der Darlehenssumme ohne Zinsaufschlag mit an. Das sind bei einer Kreditsumme von 150.000 € immerhin 7.500 € pro Jahr. 

Dabei machen Sondertilgungen durchaus Sinn, kann man doch dadurch sehr viel Zinsen sparen und ganz nebenbei die Laufzeit des Darlehens merklich verkürzen.

Da fragt man sich doch - warum sind die Banken damit einverstanden...

...dass man Sondertilgung einbringen kann - denn wenn der Kunde durch die Sondertilgung Zinsen einspart, dann hat ja auch die Bank im Gegenzug weniger Zinserlöse und damit auch weniger Gewinn?

Die Antwort ist ganz einfach - nicht einmal 5% der Bankkunden oder anders gesagt, nicht einmal jeder 20. Bankkunde macht von seinem Recht, die Sondertilgung einzuzahlen, Gebrauch. Und nicht einmal 1% der Bankkunden zahlen regelmäßig (d.h. jährlich) Sondertilgungen in den Kreditvertrag ein.

Die Gründe dafür liegen oftmals darin, dass viele Bankkunden schlichtweg nicht ahnen, was für ein Einsparpotentiel in der Sondertilgung liegt. Ein Banker wird sie darüber auch nicht unbedingt aufklären. 

Ich denke, das Problem besteht bei meinen Kunden nicht, denn in meinen Beratungsgesprächen wird regelmäßig über die Bedeutung der Tilgungshöhe und speziell der Sondertilgung gesprochen - so dass meine Kunden sehr schnell erkennen, welches Einsparpotential darin liegt.

Auf der anderen Seite hat der geringe Grad der Nutzung der Sondertilgung mit Sicherheit noch andere Ursachen:

  • Viele Familien haben schlichtweg nicht das Geld übrig, um Sondertilgungen (erst recht nicht regelmäßig) zu machen.
  • Um regelmäßig Sondertilgungen einzahlen zu können bedarf es ein Höchstmaß an Disziplin - man muss das Geld erst einmal sparen und darf dann auch nicht "vergessen" es auch tatsächlich einzuzahlen
  • Man ist gezwungen selbst zu handeln. Viele Banken verlangen sogar, dass man die Sondertilgung vorher anmeldet. Dann muss man sie natürlich auch noch selbst überweisen.
  • Wer regelmäßig Sondertilgungen machen möchte, muss sich praktisch auch die ganze Zeit auch mit seiner Finanzierung befassen. Dazu haben viele Leute gar keine Lust, sie wollen "ihre" monatliche Rate regelmäßig bezahlen, wie eine Miete und von dem restlichen Geld will man leben. Die Abzahlung der Immobilie ist bei diesen Leuten "nur" ein positiver Nebeneffekt.
  • Bei zwei Darlehensnehmern bzw. Familien spielt noch eine Rolle, dass sich alle einig sein müssen, dass man das Geld auch an die Bank zahlt. Hat man da unterschiedliche Wesen mit unterschiedlichen Interessen und Werten (der eine will sparen und der andere will leben - Kinder, Hobbies kosten auch Geld - man könnte auch schöne Reisen machen), dann sind Konflikte vorprogrammiert, denn Geld kann man leider nur einmal ausgeben.

Wie man sieht ist der Weg der Sondertilgung nicht so einfach, wie es immer gesagt wird. Die Zahlen sprechen ja für sich.

So sinnvoll Sondertilgungen auch sind, sie sind nicht für jeden geeignet. Und man muss sich von vorn herein einig sein, wenn die Sondertilgungen ein Hauptbestandteil eines Finanzierungskozeptes werden sollen. Für wen eignen sich regelmäßige Sondertilgungen vor allem:

  • Leute, die regelmäßig Sondervergütungen bekommen, die man gut einplanen kann. Achten Sie darauf, dass Sie für sich auch noch etwas übrig lassen von den Sondervergütungen, die Sie bekommen als Belohnung, sonst verlieren Sie die Lust und Motivation zur Sondertilgung.
  • Leute, die unerwartet viel Geld bekommen haben z.B. durch Erbschaft, den vie lzitierten Lottogewinn, erfolgreiche Abschlüsse oder was auch immer. Dann sollte man bis zum Zinsbindungsende die vollen Sondertilgungsmöglichkeiten ausschöpfen - nach 10 Jahren kann das ganze Darlehen, oder große Teile davon abschlagsfrei zurück gezahlt werden.
  • Leute, die sich gern mit Ihrer Finanzierung befassen - die eigentlich eine zu geringe monatliche Rate festgelegt haben und das Geld locker noch jährlich übrig haben

Der letzere Fall hat noch einen kleinen Nachteil. Wenn man eine geringe monatliche Rate vereinbart hat und praktisch immer erst zeitversetzt durch die Sondertilgung die eigentliche Tilgung erhöht, dann geht jeweils für ein Jahr der Zinseszinseffekt verloren.

Der Königsweg ist, eine gute monatliche Rate zu finden, bei der sich alle Familienmitglieder wohl fühlen. Vielleicht kann man sich ja auch an ein paar Euro im Monat mehr gewöhnen, aber so, dass es nicht weh tut. Das bringt definitiv auch schon sehr viel. Den Rest hat man dann zum Leben.

Außerdem sollte man darauf achten, dass man eine Bank findet, die eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der monatlichen Raten zulässt.

So z.B. der kostenlose Wechsel der Höhe der monatlichen Tilgung, sowohl nach oben als auch nach unten. D.h. man kann die monatliche Rate an die Veränderung der Einkommenssituation anpassen . Einige Banken bieten solch einen Tilgungssatzwechsel kostenlos (z.B. 2x) mit an.

Ab und zu trifft man auch Angebote, bei denen sogar eine zeitlich befristete Tilgungsaussetzung möglich ist. Das ist die andere Seite der Medaille. Es kann ja auch mal passieren, dass es nicht so gut läuft. Dann ist es ein unschätzbarer Wert, wenn man auch in so einem Fall handlungsfähig bleibt.

Sie sehen, das Thema ist sehr vielschichtig.

Mein Rat lautet deshalb, wenn Sie Sondertilgungen locker machen können, dann machen Sie diese auch. Damit können Sie viel erreichen. Aber behalten Sie das Augemaß. Vergessen Sie nicht zu leben - alle in der Familie müssen sich dabei wohl fühlen. 

Und nun noch mein letzter Tipp: Ein alte Kaufmannsregel besagt: Liquidität geht vor Rentabilität. Das bedeutet. Schaffen Sie sich erst ein ausreichendes finanzielles Polster für unvorhersehbare Belastungen, bevor Sie Sondertilgungen in Betracht zeihen, damit Sie auch in außergewöhnlichen Situationen "flüssig" bleiben. Sonst kann die Sondertilgung auch nach hinten los gehen. Es gibt zwar eine Bank, da kann man seine Sondertilgung praktisch parken und bei Bedarf wieder auszahlen lassen - aber das Angebot ist eine Ausnahme und leider hat diese Bank nie die besten Zinsen (und ist auch sonst sehr wählerisch). Aber vielleicht macht dieses Beispiel Schule. Abber dann würden ja die Banken freiwillig auf Zinsen verzichten. also vergessen Sie es - das ist doch wohl eher Wunschdenken... 

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