Muss eine Immobilie im Alter schuldenfrei sein?

Das wünscht sich natürlich jeder - eine schuldenfreie Immobilie im Alter. In vielen Fällen bekommt man das auch hin, vor allem wenn man noch genügend Zeit bis zur Rente hat. Die Finanzierungskonzepte werden möglichst so ausgelegt, dass man im Alter keine "Schulden" mehr hat. Landläufig wird das dann als im Alter "mietfrei" wohnen bezeichnet... 

...Das stimmt auch bis zum gewissen Grad, wenn man bei den Nebenkosten, wie bei einer Eigentumswohnung üblich, bereits eine bestimmte Summe für die Pflege, Reparatur und Erhaltung der Immobilie mit eingeplant hat. Ansonsten kann es sein, dass man auch im Alter noch einmal größere  Summen investieren muss. Manchmal muss man auch noch einmal investieren, um die Immobilie altersgerecht zu machen - oder man orientiert sich in dieser Hinsicht nochmal gänzlch neu, wiel das Haus oder die Wohnung mittlerweile zu groß geworden ist.

 

Diese Aufwendungen führen dann jedoch meist nicht zu übergroßen Krediten, so dass man das im Alter auch noch bewerkstelligen kann.

 

Wie ist es aber, wenn man schon jenseits der 45 oder 50 ist. Es gibt genug Leute, die können aus den verschiedensten Ursachen erst dann an die eigenen 4 Wände denken. Macht es dann noch Sinn, sich in so ein Abenteuer zu stürzen, zumal die Chance, dann mit etwa 65 schuldenfrei zu sein, meist nicht sehr groß ist.

Viele schrecken genau aus diesem Grunde davor zurück, solch einen Schritt zu gehen, weil sie es nicht für möglich halten, dass das gut für sie ist.

 

Einen eindeutige Antwort zu geben ist natürlich nicht möglich, aber auf jeden Fall kann man sich das Ganze durch einen Fachmann durchkalkulieren lassen. Da die Anforderungen an die Größe der Immobilie nicht mehr so hoch sind kommen meist kleinere Bungalows (die es am Markt aber viel zu selten gibt) sowie kleine barrierearme Eigentumswohnungen in Frage. Wenn man dann noch etwas Eigenkapital vorzuweisen hat, dann kann auch daraus ein Schuh werden.

Wichtig ist , dass das Objekt dafür geeignet ist, dass man sich auch im fortgeschrittenen Alter darin wohl fühlen kann.

 

Wichtige Voraussetzung ist, dass man in etwa einschätzen kann, wie die finanzielle Situation ab Renteneintritt sein wird. Dann kann man die finanzielle Situation darauf ausrichten. da mal einen Blick voraus zu tun kann schon mal zu interessanten Erkenntnissen führen.

 

Beispiel: Wenn ein Ehepaar - beide Anfang 50 - momentan 600 € Kaltmiete zahlt und sich eine kleine Eigentumswohnung kaufen möchte in der sie alt werden kann und möchte, dann könnte das Ganze etwa so aussehen:

Bis zum geplanten Ruhestend sind es noch 12 Jahre. Die neue Wohnung kann ein Zimmer weniger haben, weil die beiden Kinder aus dem Haus sind, es soll also eine 3-Raum- Wohnung gekauft werden, für die man jetzt und in Zukunft in etwa genau so viel Miete zahlen würde wie für die jetzige  4-Zimmer Wohnung. Die neue Wohnung soll 160.000 € kosten. In den ersten 12 Jahren wird die Finanzierung (140.000 € Kredit) so ausgerichtet, dass man mit 700 € monatlicher Rate eine hohe Tilgung vornimmt. Da die Kinder aus dem Haus sind, ist das auch möglich. Die Restsumme nach 12 Jahren beträgt dann noch gut 79.000 €. Da inzwischen eine kleine Rentenversicherung fällig geworden ist, kann die Anschlusskreditsumme auf 70.000 € reduziert werden. Das Ehepaar möchte in 12 Jahren nur noch eine monatliche Belastung von 350 € haben, weil ja die Rentenbezüge deutlich niedriger sind als der jetzige Verdienst -  was durchaus machbar ist. Selbst wenn das Zinsniveau in 12 Jahren bei 5% liegen sollten, ist mit einer geringen Tilgung diese monatliche Rate von 350 € möglich. Es ist dann zwar kaum absehbar, wann die Wohnung mal abbezahlt sein sollte und ob man das jemals noch schafft. Aber das sollte jetzt auch nicht mehr der Anspruch sein. Wichtig ist, dass man eine Wohnung hat mit einer überschaubaren monatlichen Belastung. Das Ehepaar kann trotzdem einen Teil der Einbußen, die aus der niedrigeren Rentenzahlung erntsteht, abfedern und das Leben in den gewohnten 4 Wänden genießen und muss sich nicht mehr verändern.

Wenn das Ehepaar die Wohnung nicht kauft und weiter lebt wie bisher, dann kann es passieren, dass man sich mit Renteneintritt ein neue kleine Wohnung suchen muss - und das könnte gerade in Berlin und Potsdam schwierig werden. Sicher ist dann so ein kleinere Wohnung immer noch teurer als 350 € im Monat. Man zahlt dann vermutlich mehr als 350 € und hat eine geringere Lebensqualität - womöglich wohnt man dann in einer Gegend, wo man gar nicht leben wollte.

 

Das ist zwar nur ein Beispiel von vielen, aber es macht deutlich, wie wichtigeine eigene Immobilie - auch wenn sie erst zur Hälfte abbezahlt ist, wesentlich dazu beitragen kann, dass man im Alter weiter preiswert und selbstbestimmt dort leben kann, wo man es möchte. Eine Wohnung oder ein Haus mit moderaten Krediten ist ja keine Schande. Für die Erben bleibt immer noch genügend übrig bei einem Verkauf. Bleibt man in einer Mietwohnung gibt es gar kein Wohneigentum zu vererben...

 

Es lohnt sich auf alle Fälle, so etwas mal durchzurechnen. Wenn man es klug und strategisch angeht, dann kann das dazu beitragen, ein zukunftsfähiges Konzept für das Alter entwickeln. Jede Lebenssituation ist anders, seien Sie schlau und lassen Sie sich diesbezüglich beraten! 

 

  

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