Wie geht es weiter mit den Zinsen?

Heute möchte ich wieder von der Zinsfront berichten. Wer in der zweiten Aprilwoche seine Finanzierung beantragt hat dürfte die bislang historisch tiefsten Zinsen erwischt haben. Danach ging es wieder bergauf - um immerhin etwa 0,8% bei der 10-jährigen Zinsbindung. Wie geht es nun weiter?...

Aus meiner Sicht kann das Zinsniveau durchaus kurzfristig noch etwas ansteigen, schließlich ist ja scheinbar mit dem Griechenland-Kompromiss eine Lösung gefunden worden und Europa kann aufatmen und es kehrt vielleicht wieder etwas Ruhe ein nach den bevorstehenden Verhandlungen. Sollte sich die Wirtschaft der südlichen Staaten in Europa nach und nach erholen, dann ist davon auszugehen, dass sich dann auch das Zinsniveau wieder erhöht - soweit das Wunschdenken der Politiker, die die Geschicke Europas lenken.

Meine persönliche Meinung ist, dass uns Griechenland (und sicher noch das eine oder andere Land in Europa) noch weiter beschäftigen wird. Dafür sind die Entwicklungsstände der Euroländer einfach zu unterschiedlich. Es fehlt an dem einheitlichen Willen, Nägel mit Köpfen zu machen und die Währungsunion zu ergänzen um eine politische Union. Außerdem müssten die Steuer- Finanz- und Sozialstandards angeglichen werden. Somit dürfte der Rahmen für weitere Zinssteigerungen relativ begrenzt sein.

Die EZB kann es sich gar nicht leisten die Zinsen einfach dem Markt zu überlassen, bei einem "normalen" Zinsniveau von 4% oder gar 5 % würden sofort wieder einige Länder große Probleme bekommen und selbst die Bundesregierung könnte dann ihre schwarze Null im Staatshaushalt wieder vergessen. Die Baugeldzinsen sind auch heute noch sehr günstig - eine vernünftige Finanzierung ist immer noch, abhängig von der Bonität und des vorhandenen Eigenkapitals, weit unter 3% zu haben  - bei kurzen Zinsbindungen immer noch unter 2%. Selbst wenn sich der Anstieg der Zinsen noch ein wenig fortsetzt - es wird nicht viel über 3% ansteigen und vielleicht auch mal wieder sinken. Aber darauf würde ich mich nicht verlassen.

Um noch einmal auf Griechenland zurück zu kommen: In den ganzen Jahren hat es in dem Land keine Regierung, kein Druck von außen und auch keine finanzielle Unterstützung vermocht, dass ein funktionierendes Kataster- und Steuerwesen aufgebaut werden konnte. Steuern zu zahlen ist gerade in weiten teilen der Leistungsträger des Landes und auf den griechischen Inseln verpönt und wird als Zumutung empfunden. Da werden also weitere 80 Milliarden in ein tiefes Loch geworfen - das Geld soll ausgerechnet durch Privatisierungen und einen Treuhandfonds teilweise zurück gezahlt werden. Das hat schon in der ehemaligen DDR mit der Treuhand  nicht funktioniert. Die hat statt Guthaben einen riesigen Schuldenberg hinterlassen. Wie soll es da in einem System funktionieren, das noch undurchschaubarer ist? Niemand vermag das was da abläuft zu kontrollieren. Also wird das letzte Tafelsilber Griechenlands verscherbelt an die, die eigentlich schon genug haben  - aber dem Land ist damit sicherlich nicht geholfen. Wetten dass da viel weniger Geld bei raus kommt, als man kalkuliert hat? Wieso ausgerechnet Deutschland diesen Vorschlag durchgedrückt hat, ist wirklich nicht zu verstehen.

Griechenland war und ist nicht reif für den Euro und man sieht auch keine Perspektive oder gar den Willen, dass sich da wirklich etwas in den grundlegenden Dingen und der Einstellung ändern wird. Mit Sparen wird man da nicht mehr weit kommen. Die unendliche Geschichte wird also weitergehen. 

Das einzig Gute daran ist - solange das so ist wird der Zinsmarkt auf niedrigem Niveau bleiben - und das ist gut für Leute, die z.B. in die eigenen 4 Wände investieren wollen und dies auch können. Packen wir es also an für die, die noch planen - in jeder Krise liegt eine Chance. Die Eigentumsquote in Deutschland sollte in den nächsten Jahren aufgrund der moderaten Zinsen weiter ansteigen. 

Sollten dann später die Zinsen wieder steigen, dann werden allerdings etliche Eigentümer Ihre Immobilie wieder verlieren. Ich denke, meine Kunden werden nicht dazu gehören ;-)

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